

Foto: Eva Koehle
Seegras wirkt auf den ersten Blick unscheinbar – doch unter der Wasseroberfläche verbirgt sich eine der faszinierendsten Pflanzen der Meere. Tatsächlich ist Seegras keine Alge, sondern eine echte Blütenpflanze, die einst an Land wuchs und sich vor Millionen Jahren wieder ins Meer zurückgezogen hat. Es besitzt Wurzeln, Blätter und sogar winzige Blüten – und ja, es kann auch „blühen“ unter Wasser.
Eine der kuriosesten Eigenschaften: Seegras betreibt ganz normal Photosynthese und produziert dabei Sauerstoff – ähnlich wie Wälder an Land. Manche Seegraswiesen zählen sogar zu den effektivsten CO₂-Speichern der Erde und können Kohlenstoff über Jahrhunderte im Meeresboden festhalten.
Noch erstaunlicher ist die Fortpflanzung: Einige Arten geben pollenartige Strukturen ins Wasser ab, die von Strömungen zu anderen Pflanzen transportiert werden – eine Art Unterwasser-Bestäubung. Zudem können sich Seegraswiesen klonal vermehren, sodass ganze Felder genetisch identisch sind. In Australien wurde ein Seegras-Klon entdeckt, der sich über rund 180 Kilometer erstreckt – vermutlich eines der größten Lebewesen der Welt.
Auch für Tiere ist Seegras lebenswichtig: Es dient als Kinderstube für Fische, als Nahrungsquelle für Meeresschildkröten und sogar als Versteck für kleine Seepferdchen. Ein stiller Held also, der im Verborgenen Großes leistet.
Von Fatima Kutzschbach