

Ausgehend von dieser zutiefst bewegenden Szene entwickelt sich das Buch zu einer umfassenderen Auseinandersetzung mit der Beziehung der Menschheit zu Walen und den Ozeanen, in denen sie leben. Giggs verbindet Naturgeschichte, Philosophie, Wissenschaft und Umweltliteratur und untersucht, wie Wale ökologische Veränderungen erleben, wie Technologie unser Verständnis dieser Lebewesen verändern kann und was Wale über die Komplexität und Zerbrechlichkeit des Lebens auf der Erde verraten. Sie schreibt über Wale, die so selten sind, dass sie noch keinen Namen haben, über Walgesänge, die sich wie kulturelle Trends über die Ozeane ausbreiten, und über die überraschende Rolle, die Wale bei der Gestaltung der Erdatmosphäre spielen.
Das Buch setzt sich zudem mit den zerstörerischen Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf marine Ökosysteme auseinander. Giggs untersucht die zunehmende Verschmutzung der Ozeane durch Plastik und dokumentiert, wie Wale Abfälle wie Tüten, Verpackungen und zurückgelassene Fischereiausrüstung verschlucken und dadurch oft stärker verschmutzt sind als das Wasser um sie herum. Sie reist nach Japan, um die heutigen Walfangpraktiken zu untersuchen, und reflektiert über Umweltkatastrophen, den Klimawandel und die Folgen der Konsumkultur für das Leben im Meer.
Trotz seines sachlichen und detailreichen Stils behandelt Fathoms: The World in the Whale zentrale Umweltfragen, ohne dabei belehrend zu wirken. Im Geiste von Rachel Carson und Rebecca Solnit bietet Giggs sowohl eine Betrachtung der Wale als auch eine tiefgründige Reflexion über die ungewisse Beziehung der Menschheit zur Natur in Zeiten ökologischer Krisen.
Von Eva Koehle