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            Über Wiesen und Wälder

            Published by Paula Thake on Mai 8, 2026

            Foto: Jonah German

            Seegraswiesen bedecken zwar nur etwa 0,2 % des Meeresbodens, sind also flächenmäßig klein, haben aber enorme ökologische Auswirkungen. Sie kommen in flachen Küstengewässern vor, und ihr Wachstum wird durch Licht (bis zu ~60 m), Nährstoffe, Temperatur und Salzgehalt begrenzt. Seegras stabilisiert Sedimente, verbessert die Wasserqualität, sorgt für den Nährstoffkreislauf, speichert Kohlenstoff und versorgt sowohl das Wasser als auch die Sedimente mit Sauerstoff. Sie bilden die Grundlage für reichhaltige Nahrungsnetze, die alles von winzigen Weidegängern bis hin zu Raubtieren ernähren, und sind entscheidende Lebensräume für größere Pflanzenfresser wie Manatis und ausgewachsene Grüne Meeresschildkröten. Etwa ein Fünftel der kommerziell gefangenen Fische ist auf diese Ökosysteme angewiesen, was zur globalen Ernährungssicherheit beiträgt. Auf Madeira kommt das Kleine Neptungras (Cymodocea nodosa) vor, eine an die lokalen Küstenbedingungen angepasste Art. Seegras ist einzigartig, da es die einzigen echten Pflanzen im Ozean sind. Ihre Vorfahren stammten ursprünglich aus dem Meer, wanderten an Land und entwickelten sich dann – vor etwa 100 Millionen Jahren – wieder zurück ins Meer, was sie zu etwas wirklich Bemerkenswertem macht. Sie vermehren sich sowohl geschlechtlich, durch wasservermittelte Bestäubung, als auch ungeschlechtlich über Rhizome.

            Seetangwälder hingegen prägen die Küsten in gemäßigten und polaren Regionen und bilden dichte „Wälder“ aus großen braunen Makroalgen. Die Seetangblätter, die mit Wurzelausläufern am felsigen Meeresboden verankert sind, strecken sich dem Sonnenlicht entgegen und bieten Lebensraum, Nahrung und Aufzuchtgebiete für Hunderte von Meeresarten. Sie vermehren sich über Sporen, aus denen Gametophyten wachsen, aus denen schließlich die großen Seetang-Sporophyten entstehen, die wir sehen. Weltweit gibt es über 100 Seetangarten, darunter Macrocystis, Laminaria und Ecklonia, wobei Tiefseepopulationen von Laminaria ochroleuca auf Madeira dokumentiert sind. Riesen-Seetang (Macrocystis pyrifera) gehört zu den am schnellsten wachsenden Organismen der Erde und wächst bis zu 60 cm pro Tag.

            Sowohl Seegras als auch Seetang sind aufgrund menschlicher Aktivitäten stark im Rückgang. Seegras hat weltweit rund 29 % seiner Fläche verloren, wobei 24 % der Arten bedroht sind, vor allem durch Eutrophierung, Überfischung, physische Schäden, Urbanisierung und den Anstieg des Meeresspiegels. Seetangwälder sind in ähnlicher Weise durch Erwärmung, marine Hitzewellen, Überfischung und Verschmutzung bedroht, wobei einige Regionen bis zu 60 % ihrer historischen Ausdehnung verloren haben.

            Trotz dieser Bedrohungen ist der Schutz und die Wiederherstellung dieser Ökosysteme für die biologische Vielfalt und den Klimaschutz von entscheidender Bedeutung. Sowohl Seegras als auch Seetang stabilisieren Sedimente, schützen die Küsten vor Erosion und Stürmen, sorgen für den Nährstoffkreislauf, verbessern die Wasserqualität und bieten Lebensraum für unzählige Arten, wodurch widerstandsfähige marine Nahrungsnetze erhalten bleiben. Sie speichern große Mengen an Kohlenstoff – allein Seegras ist für rund 10 % der Kohlenstoffbindung im Ozean verantwortlich – und Seetang transportiert Kohlenstoff in tiefere Gewässer. Beide filtern zudem Schadstoffe wie überschüssigen Stickstoff und Phosphor und reduzieren schädliche Bakterien aus menschlichen Abwässern, wodurch sie das Leben im Meer und die menschliche Gesundheit schützen. Die Erhaltung der noch vorhandenen Bestände ist weitaus effektiver als der Versuch, verlorene Gebiete wiederherzustellen, weshalb der Schutz bestehender Seegras- und Kelpwälder oberste Priorität hat.

            Mit Blick auf die Zukunft bietet Kelp neben den Schutzbemühungen spannende Möglichkeiten. Die Seetangzucht breitet sich weltweit als nachhaltige Industrie aus, die biologisch abbaubare Kunststoffe, natürliche Düngemittel, Tierfutter und Möglichkeiten zur Kohlenstoffbindung produziert. Eine integrierte Aquakultur von Seetang und Schalentieren kann die Artenvielfalt und die Wasserqualität verbessern und gleichzeitig die Wirtschaft an den Küsten unterstützen. Durch die Kombination des Schutzes bestehender Wiesen und Wälder mit verantwortungsvollem Seetanganbau können wir gleichzeitig den Verlust der Artenvielfalt bekämpfen, den Klimawandel abmildern und eine nachhaltige Ernährung sowie Lebensgrundlagen für Millionen von Menschen sichern.

            Sind Sie neugierig und möchten Sie einen Beitrag leisten?

            Es gibt tolle Plattformen, über die Sie zum Verständnis von Seegras beitragen und mehr lernen könnt: Zum Beispiel Seagrassspotter.org, wo Sie Sichtungen melden oder einfach nachsehen können, wo andere weltweit Seegras gefunden haben. Auch interessant ist seagrasswatch.org, bei dem es sich um langfristigeres wissenschaftliches Projekt handelt.

            Von Eva Koehle

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