
Der heutiger Ostwind machte es unserem Team nicht leicht, Wale und Delfine zu finden. Zwar brachte der Wind keine schwierigen Bedingungen mit sich und wir konnten auf einem ruhigen, glatten Meer hinausfahren, doch er führte große Mengen Sand vom afrikanischen Kontinent mit sich. Dieser Sand ist sehr nährstoffreich für unsere Ozeane, da er Nährstoffe wie Phosphat und Natrium für das Phytoplankton an der Oberfläche liefert. Gleichzeitig bleibt er jedoch in der Luft suspendiert und verursacht einen Dunst, der unserem Späher an Land häufig die Sicht erschwert.
Trotz des sandigen Nebels warteten draußen auf dem Meer einige farbenfrohe Überraschungen auf uns. Auch wenn wir von unserer Morgentour ohne Sichtung von Walen oder Delfinen zurückkehrten, konnten wir dennoch einen Atlantischen Papageitaucher (Fratercula arctica) beobachten – eine äußerst seltene Sichtung auf dieser Seite des Atlantiks. Papageitaucher brüten in Kolonien weiter nördlich, wobei sich die größten Kolonien in Island befinden. Es ist daher wahrscheinlich, dass dieses Tier infolge einer erzwungenen Wanderung durch die zahlreichen Winterstürme der vergangenen Wochen nach Madeira gelangte. Die Überlebenschancen für Papageitaucher sind hier leider nicht besonders gut, da dies nicht ihr natürlicher Lebensraum ist – wir hoffen jedoch sehr, dass dieser kleine Kerl es schafft!
Weitere Tiere, die durch Stürme nach Madeira gelangen, sind Hydrozoen wie die Portugiesische Galeere (Physalis physalis) oder die Segelqualle (Velella velella). Diese kolonialen Nesseltiere treiben lediglich an der Oberfläche und können nicht gegen die Strömung anschwimmen. Das bedeutet, dass sie vollständig von den physikalischen Kräften des Ozeans abhängig sind – ein weiteres Beispiel für erzwungene Wanderungen im Atlantik.
Auch die Verbreitung größerer Raubtiere kann durch besonders stürmische Winter beeinflusst werden. Dazu zählen pelagische Haie wie der Makohai (Isurus oxyrinchus), den wir heute Nachmittag beobachten konnten. Sie folgen möglicherweise geschwächter oder verletzter Beute in die Küstengewässer ozeanischer Inseln. Größere Fische wie der Mondfisch (Mola mola), der während der Ausfahrt auf unserem traditionellen Boot gesichtet wurde, folgen ebenfalls ihrer bevorzugten Beute – der Portugiesischen Galeere – in die Küstengewässer Madeiras. Am Nachmittag gelang uns außerdem die Sichtung einer Gruppe jagender Großer Tümmler (Tursiops truncatus), einer Art, die sich meist in den Gewässern rund um Madeira und die Kanarischen Inseln aufhält. Viele dieser Küstenräuber bleiben bei starken Stürmen näher an der Küste oder bewegen sich im Schutz größerer Gruppen.
Von Paula Thake
Sichtungen des Tages
Ribeira Brava
13:00 Großer Tümmler, Mondfisch
Stenella
09:30 Keine Sichtung, Atlantischer Papageitaucher
13:30 Großer Tümmler, Makohai, Atlantischer Papageitaucher