

Bild: Katapult Magazin
Weit draußen im Atlantik, zwischen Europa und Afrika, liegt ein geheimnisvolles Archipel, dessen Name wie aus einem alten Mythos klingt: Makronesien. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gesegnete Inseln“ oder „glückliche Inseln“. Diese Region umfasst die Azoren, Madeira, die Kanarischen Inseln, Kap Verde und die unbewohnte Inselgruppe der Ilhas Selvagens. Trotz ihrer geografischen Zerstreuung verbindet diese Inseln eine gemeinsame vulkanische Herkunft und eine unglaubliche Artenvielfalt.
Makaronesien ist ein Ort zwischen Kontinenten, Kulturen und Klimazonen – eine Schatzkammer der Natur, durchzogen von alten Legenden, kolonialer Geschichte und einzigartiger Biodiversität. Die „glücklichen Inseln“ sind ein lebendiger Beweis dafür, wie vielfältig, geheimnisvoll und faszinierend Inselwelten sein können.
Was Makaronesien so besonders macht, ist das milde, fast ewig frühlingshafte Klima und seine endemitische Tier- und Pflanzenwelt. Auf Madeira und den Kanaren etwa wächst die Lorbeerwaldvegetation, die es in dieser Form sonst nirgendwo auf der Welt mehr gibt. Dieser „Laurisilva“ genannte Urwald stammt aus der Zeit der Dinosaurier und wurde von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet.
Nicht zu vergessen die Ilhas Selvagens, kleine, raue Felsen zwischen Madeira und den Kanaren, die fast unzugänglich sind und nur von Rangern bewohnt werden. Hier lebt die weltweit größte Kolonie von Gelbschnabelsturmtauchern, einer sehr seltenen Vogelart.
Kurios ist auch die Geschichte der Kanaren. Im Altertum markierten sie für die Griechen und Römer das Ende der bekannten Welt. Plinius der Ältere schrieb, dass dort „große Hunde“ lebten. Daher stammt auch der Name „Inseln der Hunde“ (Insulae Canariae). Noch heute findet sich auf dem Wappen der Kanaren zwei großen Hunde. Und nein, die Kanarienvögel wurden nicht nach den Inseln benannt – es war umgekehrt: Die Vögel erhielten ihren Namen, weil sie von dort stammen.
Auch auf den Azoren geht es erstaunlich zu. Dort gibt es einen unterseeischen Vulkan, der in den 1950er-Jahren plötzlich eine neue Insel namens Capelinhos aus dem Meer spuckte. Dies ist heute ein beliebter Ort für Geologen und Neugierige. Hier wurde 2021 ein Tiefseewurm entdeckt, der in 500 Metern Tiefe in Unterwasserhöhlen lebt. Wahrlich ein völlig neues Kapitel der Biologie.
Kap Verde hingegen war lange ein Knotenpunkt für Piraten, Sklavenhandel und koloniale Expansion. Heute beeindrucken die Inseln durch ihre Musik, besonders den Morna-Stil, der von der „barfüßigen Diva“ Cesária Évora weltweit bekannt gemacht wurde. Kurios: Es gibt auf Kap Verde eine besonders anerkannte Ziegenrasse, die fast mehr Anerkennung genießt als manche Politiker des Landes. Vielleicht sollte diesem Beispiel auch in anderen Ländern gefolgt werden.
Von Fatima Kutzschbach