

Narwale gehören zu den außergewöhnlichsten Meeressäugern der Erde. Sie leben in den kalten Gewässern der Arktis und sind vor allem im Nordatlantik und im Arktischen Ozean verbreitet.
Charakteristisch für Narwale ist ihr langer Stoßzahn, der ihnen den Beinamen „Einhörner des Meeres“ eingebracht hat. Der Stoßzahn ist kein Horn, sondern ein stark verlängerter linker Eckzahn, der bei vielen Männchen, seltener auch bei Weibchen, durch die Oberlippe wächst. Er kann eine Länge von bis zu drei Metern erreichen und besitzt eine spiralförmige Struktur.
Lange Zeit galt der Stoßzahn als reine Waffe oder als Hilfsmittel zum Durchbrechen von Eis. Heute weiß man, dass er eine wichtige sensorische Funktion erfüllt. Der Stoßzahn ist von Millionen feiner Nervenkanäle durchzogen, die Reize aus dem umgebenden Wasser aufnehmen. Narwale können damit Temperatur, Salzgehalt und Druckveränderungen wahrnehmen. Diese Fähigkeit hilft ihnen, sich in ihrer komplexen Umwelt zu orientieren und geeignete Jagdgebiete zu finden. Zusätzlich spielt der Stoßzahn eine Rolle im sozialen Verhalten.
Männliche Narwale zeigen ihn bei Begegnungen, messen sich vorsichtig miteinander und kommunizieren über Haltung und Bewegung. Der Stoßzahn ist damit kein aggressives Werkzeug, sondern ein sensibles Organ. Narwale verdeutlichen, wie vielfältig und spezialisiert Anpassungen im Meer sein können und wie eng Form, Funktion und Lebensraum miteinander verbunden sind.
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Von Fatima Kutzschbach