
Nachdem wir die vormittags Touren wegen des schlechten Wetters absagen mussten, hatten unsere Gäste am Nachmittag großes Glück: Sie begegneten einem Mola mola, auch bekannt als Mondfisch. Diese ungewöhnlichen Knochenfische sind in den Gewässern um Madeira nur selten zu sehen. Sie sonnen sich gerne an der Meeresoberfläche, um sich nach ihren Tiefseetauchgängen auf Nahrungssuche wieder aufzuwärmen. Sie können bis zu 600 Meter tief tauchen, um nach dichten Quallen schwärmen zu suchen, ihrer Hauptbeute. Auch die Portugiesische Galeere, die normalerweise an der Meeresoberfläche zu finden ist, gehört zu ihrer Nahrung. Eine dicke, gelatineartig Schicht im Maul und im Verdauungstrakt des Mondfisches schützt ihn vor den giftigen Nesselzellen. Äußerlich wird er durch eine unglaublich dicke Haut geschützt, die an manchen Stellen bis zu 7,3 cm dick ist. Zum Vergleich: Die menschliche Haut ist nur etwa 2 Millimeter dick. Da Quallen zu etwa 95 % aus Wasser bestehen, müssen Mondfische täglich Hunderte von ihnen fressen, was 20–60 kg trockener organischer Substanz entspricht.
Es ist nicht ungewöhnlich, sie in denselben Gewässern anzutreffen wie die zweite Art, der wir an diesem Tag begegnet sind: den Kurzschnabel-Gewöhnlichen Delfin (Delphinus delphis). Während beide Arten in den gemäßigten und tropischen offenen Ozeanen gedeihen, ist ihre Beziehung zu Quallen völlig unterschiedlich. Delfine spielen gerne mit Quallen. Werden sie jedoch an empfindlichen Stellen um Mund, Augen oder Blasloch gestochen, kann das sehr schmerzhaft sein. Einige Forscher glauben, dass sich Delfine absichtlich an bestimmten Quallenarten reiben, um abgestorbene Haut oder Parasiten loszuwerden.
Von Eva Köhle
Sichtungen des Tages
Stenella
13:30 Kurzschnabelige Gewöhnliche Delfine, Mondfisch